DSL-Technik
DSL ist nicht eine einzelne Technik, sondern eine Familie von Übertragungsverfahren auf der bestehenden Kupferleitung. Eine Übersicht der wichtigsten Varianten.
ADSL und ADSL2+
ADSL (Asymmetric Digital Subscriber Line) war ab den späten 1990er Jahren die erste Massentechnik für DSL in Deutschland. Im Ausbau wurde der Anschluss am Frequenzbereich oberhalb der Telefonie aufgesetzt, sodass beide Dienste gleichzeitig auf einer Leitung laufen konnten. Übliche Bandbreiten: bis 16 Mbit/s Down- und 1 Mbit/s Upstream.
Die Weiterentwicklung ADSL2+ verdoppelt die Frequenzbandbreite und erreicht bis zu 24 Mbit/s Downstream, allerdings nur auf kurzen Leitungen (< 1 km zum Verteiler). Beide Verfahren sind heute weitgehend abgelöst, kommen aber in ländlichen Gebieten noch vor.
VDSL
VDSL (Very High Speed DSL) nutzt einen breiteren Frequenzbereich auf der Kupferleitung. Voraussetzung ist ein Glasfaserkabel bis zum Multifunktionsgehäuse (MFG) am Straßenrand — die letzten 300 bis 800 Meter zum Haus laufen weiterhin per Kupfer. VDSL2 erreicht typischerweise 50 Mbit/s Downstream und 10 Mbit/s Upstream.
Vectoring
Vectoring ist kein eigenes Übertragungsverfahren, sondern eine Störungsunterdrückung auf der VDSL-Strecke. Die Übertragung von Daten auf mehreren benachbarten Adern führt zu gegenseitigen Störungen (Crosstalk). Beim Vectoring werden diese Störungen aktiv kompensiert. Resultat: VDSL mit bis zu 100 Mbit/s Downstream und 40 Mbit/s Upstream. In Deutschland ab 2014 in größerem Umfang ausgebaut.
Super-Vectoring
Super-Vectoring (VDSL2 35b) erweitert den genutzten Frequenzbereich von 17 auf 35 MHz. Damit sind bis zu 250 Mbit/s Downstream und 40 Mbit/s Upstream möglich — vorausgesetzt, die Leitung vom Verteiler zum Haus ist kurz und in gutem Zustand. Telekom hat Super-Vectoring ab 2018 flächendeckend eingeführt.
SDSL
SDSL (Symmetric DSL) bietet gleiche Datenraten in beide Richtungen. Es ist vor allem für geschäftliche Anwendungen relevant — etwa für VPN-Anbindungen, Cloud-Server oder Standortvernetzung. Für Privatkunden spielt SDSL keine Rolle.
Glasfaser-Varianten
Glasfaser löst die Kupferleitung schrittweise ab. Wo das Kabel endet, hängt von der Ausbaustufe ab:
| Bezeichnung | Glasfaser bis… | Letztes Stück Kupfer | Typische Bandbreite |
|---|---|---|---|
| FTTC (Fiber to the Curb) | Verteilerkasten am Bordstein | 300–800 m | VDSL/Vectoring (bis 250 Mbit/s) |
| FTTB (Fiber to the Building) | Hauseinführung im Keller | Hausverkabelung (20–50 m) | 1–10 Gbit/s |
| FTTH (Fiber to the Home) | Wohnungsabschlussdose | keiner | 1–10 Gbit/s, künftig mehr |
Asymmetrie und ihre Folgen
Sämtliche DSL-Verfahren sind asymmetrisch: Der Downstream ist deutlich höher als der Upstream. Das liegt am typischen Privatkunden-Nutzungsmuster (mehr Empfangen als Senden) und ist technisch im Frequenz-Plan der Anschlüsse abgebildet. Wer dauerhaft große Datenmengen hochlädt (Cloud-Backups, Videotelefonie, Streaming als Sender), profitiert von Glasfaser oder symmetrischen Anschlüssen deutlich stärker als von einer höheren Downstream-Stufe.
Wie hoch ist die Bandbreite real?
Die in Tarifen angegebene Bandbreite ist eine Maximalleistung. Die Bundesnetzagentur verpflichtet Anbieter seit 2017 zur Angabe einer geschätzten maximalen, normalerweise zur Verfügung stehenden und minimalen Bandbreite (sogenanntes Produktinformationsblatt). Wird die Mindestbandbreite über mehrere Tage unterschritten, bestehen Sonderkündigungs- oder Minderungsrechte. Details siehe Kündigen und Wechseln.